Leerstand ist der größte Renditekiller für Vermieter. Jeder Monat ohne Mieter kostet dich nicht nur die entgangene Miete, sondern auch Nebenkosten, die du selbst tragen musst. Mit den richtigen Strategien kannst du Leerstandszeiten minimieren und deine Mieteinnahmen langfristig sichern. Hier sind 8 bewährte Strategien, die erfahrene Vermieter nutzen.
Wie teuer ist Leerstand wirklich?
Bevor wir zu den Strategien kommen, verdeutlichen wir den finanziellen Schaden von Leerstand mit einem konkreten Beispiel:
| Szenario | Jahresmiete | Mietausfall | Bruttorendite (KP: 180.000 EUR) |
|---|---|---|---|
| 0 Monate Leerstand | 9.000 EUR | 0 EUR | 5,0 % |
| 1 Monat Leerstand | 8.250 EUR | 750 EUR | 4,6 % |
| 2 Monate Leerstand | 7.500 EUR | 1.500 EUR | 4,2 % |
| 3 Monate Leerstand | 6.750 EUR | 2.250 EUR | 3,8 % |
Drei Monate Leerstand im Jahr senken die Bruttorendite von 5,0 % auf 3,8 % – ein Rückgang von 1,2 Prozentpunkten. Bei der Nettorendite ist der Effekt noch drastischer, da die Fixkosten (Kredit, Hausgeld) weiterlaufen. Nutze unseren Cashflow-Rechner um die Auswirkung von Leerstand auf deinen monatlichen Cashflow zu simulieren.
1. Mieterauswahl sorgfältig durchführen
Die beste Leerstandsvermeidung beginnt bei der Mieterauswahl. Ein solventer, zuverlässiger Mieter bleibt lange und zahlt pünktlich. Investiere Zeit in die Auswahl:
- Selbstauskunft: Name, Beruf, Einkommen, aktuelle Wohnsituation, Gründe für den Umzug.
- Schufa-Auskunft: Prüfe die Bonität. Ein Score über 95 % gilt als sehr gut.
- Gehaltsnachweise: Die Kaltmiete sollte maximal 30–35 % des Nettoeinkommens betragen.
- Vormieterbescheinigung: Eine Bescheinigung des bisherigen Vermieters über pünktliche Zahlung und ordnungsgemäßes Verhalten.
- Persönliches Gespräch: Ein kurzes Gespräch bei der Besichtigung gibt dir einen Eindruck vom potenziellen Mieter.
Tipp: Lehne Bewerber nicht vorschnell ab. Ein Studierender mit Bürgschaft der Eltern oder ein Selbstständiger mit nachgewiesener Liquidität kann ein ebenso guter Mieter sein wie ein Festangestellter. Entscheidend ist die Gesamtsituation.
2. Mietpreis marktgerecht ansetzen
Ein zu hoher Mietpreis verlängert die Leerstandszeit erheblich. Es ist oft wirtschaftlicher, 20–30 EUR weniger Miete zu verlangen und dafür sofort einen Mieter zu finden, als monatelang auf den Wunschpreis zu warten.
- Marktvergleich: Prüfe vergleichbare Angebote auf ImmoScout24 und eBay Kleinanzeigen. Wie schnell werden ähnliche Wohnungen vermietet?
- Mietspiegel: Der lokale Mietspiegel gibt dir eine Orientierung für die ortsübliche Vergleichsmiete.
- Kalkulation: 1 Monat Leerstand kostet mehr als 1 Jahr lang 30 EUR weniger Miete. Bei 750 EUR Kaltmiete: 1 Monat Leerstand = 750 EUR vs. 30 EUR x 12 = 360 EUR.
Berechne mit unserem Mietrendite-Rechner wie sich verschiedene Mietpreise auf deine Gesamtrendite auswirken.
3. Wohnung in gutem Zustand halten
Eine gepflegte Wohnung lässt sich deutlich schneller und besser vermieten. Investiere regelmäßig in den Zustand deiner Immobilie:
- Zwischen Mietern renovieren: Frisch gestrichene Wände und saubere Böden machen einen großen Unterschied bei der Vermietung.
- Küche und Bad modernisieren: Diese Räume sind für Mieter besonders wichtig. Eine neue Küchenzeile oder ein modernisiertes Bad können die Vermietungszeit halbieren.
- Energetisch sanieren: Gute Energiewerte werden für Mieter immer wichtiger – niedrigere Nebenkosten sind ein starkes Argument.
- Reparaturen sofort erledigen: Defekte Rollläden, tropfende Wasserhähne oder klemende Türen wirken abschreckend bei Besichtigungen.
4. Frühzeitig mit der Nachmietersuche beginnen
Warte nicht, bis der Mieter ausgezogen ist. Sobald die Kündigung eingegangen ist, solltest du mit der Nachmietersuche beginnen:
- Sofort inserieren: Erstelle das Inserat, sobald die Kündigung vorliegt. Nutze aktuelle Fotos und eine detaillierte Beschreibung.
- Besichtigungen mit bestehendem Mieter: Vereinbare mit dem aktuellen Mieter Besichtigungstermine (mit angemessener Vorankündigung).
- Schnelle Vertragserstellung: Habe einen Mietvertrags-Entwurf bereit, damit du bei einem passenden Bewerber sofort abschließen kannst.
5. Professionelles Inserat erstellen
Ein gutes Inserat entscheidet darüber, wie viele und welche Bewerber sich melden. Investiere Zeit in die Qualität:
- Professionelle Fotos: Helle, aufgeräumte Räume fotografieren. Bei Tageslicht, mit Weitwinkel. Keine Handyfotos im Halbdunkel.
- Grundriss beifügen: Ein Grundriss hilft Interessenten bei der Einschätzung und reduziert unnötige Besichtigungen.
- Alle Details nennen: Quadratmeter, Zimmer, Stockwerk, Balkon, Keller, Stellplatz, Energieausweis, Nebenkosten.
- Umgebung beschreiben: ÖPNV, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Parks – was macht die Lage attraktiv?
- Mehrere Plattformen nutzen: ImmoScout24, eBay Kleinanzeigen, WG-Gesucht (bei kleinen Wohnungen), lokale Zeitungen.
6. Gute Mieterbeziehung pflegen
Der beste Schutz vor Leerstand ist ein zufriedener Mieter, der lange bleibt. Investiere in eine gute Beziehung:
- Erreichbar sein: Reagiere zeitnah auf Anfragen und Mängelmeldungen. Nichts frustriert Mieter mehr als ein Vermieter, der nicht erreichbar ist.
- Reparaturen schnell erledigen: Kümmere dich zügig um Reparaturen – das zeigt Wertschätzung und verhindert, dass kleine Probleme groß werden.
- Fair bleiben: Moderate Mieterhöhungen im Rahmen des Mietspiegels werden besser akzeptiert als aggressive Steigerungen.
- Kleine Gesten: Ein Willkommensgruß beim Einzug oder eine kurze Nachricht zum Jahreswechsel kosten wenig und wirken viel.
7. Versicherungen und rechtliche Absicherung
Trotz aller Vorsorge kann es zu Mietausfällen kommen. Sichere dich ab:
- Kaution: Vereinbare immer die maximale Kaution von 3 Monatsmieten (Kaltmiete). Das sichert dich bei Mietausfällen und Schäden ab.
- Mietausfallversicherung: Für ca. 3–5 % der Jahreskaltmiete übernimmt die Versicherung Mietausfälle. Besonders bei höheren Mieten sinnvoll.
- Rechtsschutzversicherung: Eine Vermieter-Rechtsschutzversicherung schützt bei Streitigkeiten mit Mietern (Räumungsklagen, Mieterhöhungen).
- Schnell handeln: Bei Zahlungsverzug sofort schriftlich mahnen. Nach zwei ausbleibenden Monatsmieten hast du ein Recht zur fristlosen Kündigung. Weitere Informationen zum Mietrecht und zur Mietpreisbremse findest du beim Bundesministerium der Justiz.
8. Notfallplan für längeren Leerstand
Wenn die Wohnung trotz aller Bemühungen länger als 2–3 Monate leer steht, brauchst du einen Plan B:
- Mietpreis senken: Eine Reduktion um 5–10 % kann die Nachfrage deutlich erhöhen.
- Möblierte Vermietung: Möblierte Wohnungen erzielen höhere Quadratmetermieten und sprechen eine andere Zielgruppe an (Pendler, Studenten, Berufstätige auf Zeit).
- Makler einschalten: Ein lokaler Makler hat Zugang zu einem breiteren Interessentenkreis und übernimmt die Vermietung professionell.
- Zielgruppe anpassen: Prüfe, ob du die Wohnung für eine andere Zielgruppe attraktiv machen kannst (z.B. WG-tauglich machen, barrierefreien Umbau für Senioren).
- Investieren: Manchmal lohnt sich eine gezielte Modernisierung (neue Küche, neues Bad), um die Wohnung konkurrenzfähiger zu machen.
Wichtig: Kalkuliere Leerstand immer ein – auch wenn du alle 8 Strategien befolgst. In deiner Renditeberechnung solltest du mindestens 1 Monat Leerstand pro Jahr einplanen (ca. 4 % der Jahresmiete). In weniger gefragten Lagen empfehlen wir 2 Monate (ca. 8 %). Nutze unseren Cashflow-Rechner um verschiedene Leerstandsszenarien durchzurechnen.
Fazit: Leerstand vermeiden lohnt sich doppelt
Leerstandsvermeidung ist kein einmaliger Aufwand, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Die Kombination aus guter Mieterauswahl, fairem Mietpreis, gepflegter Immobilie und professioneller Kommunikation zahlt sich langfristig aus – sowohl durch stabile Mieteinnahmen als auch durch den Werterhalt deiner Immobilie.
Berechne die Auswirkung verschiedener Leerstandsszenarien auf deine Rendite und deinen Cashflow mit unseren kostenlosen Rechnern:
- Mietrendite-Rechner – Wie sich Leerstand auf deine Mietrendite auswirkt
- Cashflow-Rechner – Ob dein Investment auch bei Leerstand tragbar bleibt
- Bruttorendite-Rechner – Schnelle Erstbewertung von Objekten
Häufige Fragen
Wie stark wirkt sich Leerstand auf die Rendite aus?
Ein Monat Leerstand pro Jahr reduziert deine Jahresmiete um ca. 8,3 %. Bei einer Bruttorendite von 5 % sinkt diese auf ca. 4,6 %. Zwei Monate Leerstand kosten dich ca. 16,7 % deiner Jahresmiete. Dazu kommen Nebenkosten, die du als Eigentümer in der Leerstandszeit selbst tragen musst.
Wie lange dauert es im Durchschnitt, einen neuen Mieter zu finden?
In gefragten Lagen (Großstädte, Universitätsstädte) dauert die Neuvermietung oft nur 2–4 Wochen. In weniger gefragten Regionen kann es 2–6 Monate oder länger dauern. Die Zeitspanne hängt stark vom Zustand der Wohnung, dem Mietpreis und der Lage ab.
Wie hoch sollte die Leerstandsquote kalkuliert werden?
In der Kalkulation solltest du mindestens 2–4 % Leerstandsquote einplanen, auch in guten Lagen. In strukturschwachen Regionen oder bei älteren Objekten sind 5–8 % realistischer. Bei Studentenwohnungen kann durch den semesterweisen Wechsel eine höhere Quote anfallen.
Kann ich Leerstandskosten steuerlich absetzen?
Ja, wenn du nachweislich eine Vermietungsabsicht hast. Du kannst weiterhin AfA, Zinsen, Nebenkosten und Werbungskosten (z.B. Anzeigen für die Mietersuche) geltend machen. Dokumentiere deine Vermietungsbemühungen sorgfältig (Anzeigen, Besichtigungen, Korrespondenz), um bei einer Prüfung durch das Finanzamt abgesichert zu sein.
Wie schütze ich mich vor Mietausfällen?
Die wichtigsten Maßnahmen sind: gründliche Mieterauswahl (Selbstauskunft, Schufa, Gehaltsnachweise), Kaution von 3 Monatsmieten, optional eine Mietausfallversicherung, regelmäßige Kommunikation mit dem Mieter und schnelle Reaktion bei Zahlungsverzug.